McLaren scheitert, Antonelli sichert sich in China ersten Formel-1-Triumph
Von Martin Moravec und Thomas Wolfer
Shanghai – Der erst 19-jährige Kimi Antonelli lieferte in Shanghai eine beeindruckende Vorstellung ab und feierte seinen Debütsieg in der Formel 1. Als jüngster Pole-Setter der Geschichte der Königsklasse des Motorsports setzte sich der Teenager beim Grand Prix von China erfolgreich gegen eine Angriffsoffensive von Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari durch.
Der Italiener, der genau 19 Jahre und 202 Tage alt ist, brachte Mercedes mit einem Doppelsieg den zweiten Doppelerfolg der noch jungen Rennsaison, indem er seinen Teamkollegen George Russell, Sieger des Saisonauftakts in Australien, hinter sich ließ.
Auf dem dritten Platz landete Lewis Hamilton, der damit sein erstes Podium mit Ferrari einfuhr. Der 41-jährige Routinier lieferte sich ein spannendes und hartumkämpftes Duell mit Teamkollege Charles Leclerc, dem Rekordhalter in China.
Bereits am Vortag hatte Antonelli mit seiner ersten Pole-Position den bisherigen jüngsten Polesetter Sebastian Vettel (21 Jahre und 72 Tage) übertroffen. Dennoch ist der junge Bologneser nicht der jüngste Rennsieger überhaupt: Diese Ehre gebührt Max Verstappen, der bei seinem ersten Triumph 2016 in Barcelona mit 18 Jahren und 228 Tagen noch jünger war. Die WM-Führung behauptete Russell jedoch weiterhin vor Antonelli.
Eine Woche nach seinem technischen Ausfall in Melbourne beendete Nico Hülkenberg den Grand Prix von China zwar, verpasste als Elfter im Audi aber knapp die Punkte.
Für Max Verstappen und Red Bull verlief das Wochenende erneut enttäuschend. Der vierfache Weltmeister lag zwar auf Rang sechs, ehe ihn im Finale ein Defekt zur Aufgabe zwang.
Für McLaren, den amtierenden Konstrukteursweltmeister, begann das Rennen bereits vor dem Start mit einem Fiasko. Die dritte Startreihe blieb leer, nachdem an den Fahrzeugen von Weltmeister Lando Norris und Vorjahressieger Oscar Piastri technische Schäden entdeckt wurden.
Intensiv wurde in der Garage an den Boliden gearbeitet. Bei Norris’ MCL40 wurde der Unterboden wegen eines Elektronikproblems entfernt, doch alle Bemühungen blieben ohne Erfolg. Für McLaren bedeutete dies ein doppeltes Aus, während Piastri bereits seinen zweiten vorzeitigen Ausfall in dieser Saison hinnehmen musste.
"Das ist äußerst frustrierend. Die Ursache lag an der Antriebseinheit", erklärte Norris, der erst eine Stunde vor dem Start von den erheblichen Problemen erfuhr. "Das Team versuchte noch, eine Lösung zu finden, doch ohne Erfolg." Für ihn war es das erste Mal in der Formel 1, dass er ein Rennen nicht beginnen konnte – eine große Enttäuschung.
Immerhin konnte Verstappen starten, obwohl kurzfristig der Heckflügel an seinem Red Bull ausgetauscht werden musste. Der Niederländer, der sichtlich verärgert über sein Auto war, fiel nach dem Start von Platz acht bis auf Rang 14 zurück. "Ich versuche, am Start nicht zu viele Positionen zu verlieren", hatte er zuvor gesagt.
Ein aufregender Rennbeginn gelang Hamilton, dem Sprint-Sieger des Vorjahres. Der Ferrari-Pilot, einer der wenigen Lichtblicke für das Team in dieser Saison, überholte Mercedes und übernahm die Führung. Bereits in der zweiten Runde musste er die Spitze jedoch an Antonelli abgeben, konnte aber zeigen, dass Ferrari wieder konkurrenzfähig ist.
Eine Kollision zwischen Verstappens Teamkollegen Isack Hadjar und Oliver Bearman im Haas sorgte früh für zusätzliche Spannung. Erst in Runde elf führte ein Ausfall von Lance Stroll im Aston Martin zum Einsatz des Safety Cars auf dem Shanghai International Circuit. Die Spitzenfahrer nutzten diese Phase, um auf frische harte Reifen umzusteigen.
Nach Wiederfreigabe des Rennens behauptete Antonelli die Führung vor dem drängenden Hamilton. Russell, der am Vortag den Sprint über 100 Kilometer gewonnen hatte, kam zunächst nur schleppend voran. "Ich habe keinen Grip", klagte der Brite.
Die Zuschauer, die wegen der militärischen Spannungen im Nahen Osten auf die Absage der Grands Prix in Bahrain am 12. April und eine Woche später in Saudi-Arabien reagieren mussten, kamen in Shanghai voll auf ihre Kosten.
Insbesondere Hamilton und dessen Stallrivale Charles Leclerc lieferten sich bei der Verfolgung des enteilten Antonelli ein intensives Duell.
Russell nutzte den übermotivierten Zweikampf der beiden Ferrari-Piloten, um selbst die Jagd auf Antonelli anzutreten.
Doch selbst im Verkehr bewahrte der junge Italiener den Überblick und fuhr vor den Augen seines Vaters Marco zu seinem ersten Formel-1-Erfolg im erst 26. Grand Prix.